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Schwimmstar
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Sie hat im Schwimmsport fast alles erreicht hat, was man erreichen kann: Silber- und Bronzemedaillen bei insgesamt 4 Olympischen Spielen, mehrfach den Weltmeistertitel mit Weltrekordzeiten, 18 mal den Europameistertitel und ungezählte andere Titel, darunter wurde sie in Deutschland zweimal zur Sportlerin des Jahres gekürt. Franziska van Almsick ist der deutsche Schwimmstar, der im Licht der deutschen Öffentlichkeit extreme Höhen, aber auch Rückschläge und Tiefpunkte erlebte. Immer hat die Öffentlichkeit an "Goldfisch Franzi" großen Anteil genommen. Sportliche Ereignisse, gesundheitliche Sorgen, gesellschaftliches Engagement für Organspenden oder gegen Drogen, private Hobbys und ihre Liebesbeziehungen - der Mensch Franziska van Almsick fasziniert die Öffentlichkeit seit Jahren. Ende 2004 schrieb Franziska van Almsick ihre eigene Geschichte in dem Buch mit dem Titel "Aufgetaucht" nieder, worin sie zum Ende ihrer sportlichen Karriere eine persönliche Bilanz zog.
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Franziska van Almsick, schon im ersten Satz Ihres Buches "Aufgetaucht" erwähnen Sie, dass Sie Bücher lieben und viele davon haben. Sie benennen unter anderem auch gleich zu Beginn Ihre Lieblingsschriftsteller. Was gefällt Ihnen an Büchern und welche Geschichten mögen Sie besonders?
Ich besitze gerne Bücher. Ich habe auch viele Bücher zu Hause, die ich noch nie gelesen habe und nie lesen werde. Ich bin zum Beispiel kein Krimifan, auch wenn ich zuhause einige Kriminalromane habe. Es ist einfach ein fantastisches Gefühl von Büchern umgeben zu sein. Das ist Wissen und hat für mich etwas Mystisches.
Sie lesen gerne mystische Romane, zum Beispiel von Barbara Wood.
Ja, ich mag schöne, geheimnisvolle Geschichten, die esoterisch angehaucht sind. Ich mag es, wenn ich nachvollziehen kann, was ich lese. Science fiction Romane lehne ich daher eher ab. Damit kann ich überhaupt nichts anfangen.
Mögen Sie Biografien?
Biografien mag ich sehr! Was mich allerdings daran stört, wenn Autoren schildern, eine schlechte Kindheit gehabt und sich rausgerappelt zu haben, alles gegeben zu haben, um eine große Persönlichkeit geworden zu sein. In meinem Buch war es mir wichtig zu schreiben, dass ich eine schöne Kindheit hatte. Man kann durchaus auch erfolgreich sein, wenn es einem gut geht als Kind. Und mir ging es hervorragend.
In Ihrem Buch kommt die ganze Familie gut weg: Ihr Vater, Ihre Mutter, Ihr großer Bruder. Es scheint eine schöne, harmonische und idyllische Kindheit gewesen zu sein.
Superschön! Natürlich gab es innerhalb der Familie auch Meinungsverschiedenheiten. Aber wir lieben uns, halten zusammen und gehen gemeinsam durch Höhen und Tiefen hindurch. Es gibt keinen Grund, etwas negatives über meine Familie zu erzählen.
Die Familie war immer auch Ihre Heimat. War das wichtig für Ihre sportliche Karriere?
Sehr! Man sollte annehmen, dass jeder von seinen Eltern geliebt wird, aber leider ist das nicht so. Was ich als Kind am meisten an meiner Familie liebte, war ihre Bodenständigkeit. Meine Eltern holten mich oft wieder auf den Boden zurück, wenn ich abzudriften drohte, was im Laufe meiner Karriere durchaus manchmal passierte -man fängt an zu schweben und meint, über den Dingen stehen zu können. Meine Familie sorgte stets dafür, dass ich bodenständig blieb und heute nicht an der Wirklichkeit vorbeilebe.
Bücher lesen ist das eine. Aber selber ein Buch zu schreiben und sein Inneres zu öffnen, und wer auch immer das Buch liest alles zu verraten, die richtigen Worte zu finden, das war doch sicherlich nicht einfach. Wie war das für Sie?
Ich schrieb schon immer sehr gerne. Als kleines Mädchen schrieb ich viel Tagebuch, häufig auch Briefe. Manchmal schrieb ich Briefe, die ich nie abschickte, einfach nur um Emotionen loszuwerden und zum Ausgleich. Ich wusste, ich könne schreiben. Natürlich hatte ich ein bisschen Bammel davor, denn ein Buch ist etwas anderes als ein Brief. An meinem Buch schrieb ich in Momenten, in denen mir danach war. Schreiben zu müssen, um vorwärts zu kommen, in Momenten, in denen mir nicht danach ist, das würde mir Angst machen. Es gibt aber auch ein paar Tricks, um schnell in Stimmung zu kommen.
Hatten Sie in diesem Zusammenhang neue Dinge über sich selbst herausgefunden, weil Sie ja auch über sich und Ihre Geschichte nachgedacht haben?
Nein, das nicht. Wenn man denkt, ich hätte irgendwas in meinem Buch verarbeitet, dann stimmt das nicht. Trotzdem kamen mir an der einen oder anderen Stelle die Tränen.
Ihr erstes Kapitel endet mit dem Satz "Ich weiß jetzt, wer ich bin." Das ist ein starker Satz. Was sind Ihre Stärken?
Ich weiß jetzt, was ich will und weiß, wer ich bin. Früher war ich oft zerrissen. In den Zeitungen stand die eine Woche, ich sei die Größte, zwei Wochen später dann angeblich die Dickste, oder ich las, ich hätte irgendwas falsch gemacht und sei nicht erfolgreich im Sport. Früher war mein Leben sehr wacklig. Ich schwankte zwischen Idol und untergehendem Hochseedampfer! Meine größte Stärke ist die, dass mich niemand mehr erschüttern kann. Heute kann ich Ruhe und Gelassenheit an den Tag legen, weil ich mir vertraue und weil ich an mich glaube.
Kennen Sie Ihre Schwächen genauso gut?
Ja. Komischerweise neigt man immer dazu, seine Schwächen besser zu kennen als seine Stärken. Ich bin schrecklich vergesslich und zu oft unpünktlich. Ich bin auch sehr chaotisch: Heute so und morgen so. Ich bin sehr schnell für eine Sache zu begeistern und drei Tage später denk ich dann: So begeisternd ist die ganze Angelegenheit nicht. Ich würde mich als sehr chaotisch und spontan beschreiben.
Gleichzeitig sind Sie sehr zielstrebig, denn sonst hätten Sie die Leistung auch niemals erbracht.
Wahrscheinlich besitze ich eine gute Mischung von allem.
Das sechste Kapitel Ihres Buches ist überschrieben mit einem biblischen Zitat: "Jegliches hat seine Zeit." - Was bedeutet Ihnen die Bibel?
Seit langem denke ich darüber nach. Es ist sehr wichtig, was man glaubt. Ob man an den Gott aus der Bibel glaubt oder an einen anderen Gott, ob man dieser oder einer anderen Religion angehört ist völlig egal. Ich glaube, es ist etwas wunderschönes, etwas sehr, sehr wichtiges, dass man überhaupt glaubt. Ich kann mich entspannter zurücklehnen, weil ich an das Leben und an mein Schicksal glaube. Ich habe ein großes Tattoo auf dem Rücken, das das Wort "Schicksal" beinhaltet.
Was heißt Schicksal genau? Sie schreiben, Sie hätten das Gefühl, alles sei vom Schicksal bestimmt.
Sicherlich muss man seinen Teil dazu beitragen. Schicksal heißt, im Fluss mit seinem eigenen Leben zu sein, Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind, auch Niederlagen zu nehmen und zu versuchen, aus Niederlagen zu lernen. Schicksal heißt auch, Erfolge zu haben und auszukosten und trotzdem sich nicht abbringen zu lassen, im eigenen Fluss zu bleiben.
Dieses Bild passt zu Ihnen. Wie Sie im Wasser liegen, so liegen Sie auch im Leben. Sie schreiben auch, wie Sie sich an das Wasser anpassen und sich vom Wasser führen lassen müssen, um die Geschwindigkeit zu erreichen.
Man kann lernen, wie wichtig es ist, bei sich selbst zu sein. Auch ich habe sehr lange dafür gebraucht. Meiner Meinung nach gibt es zu viele Menschen, die ihr Handeln, Reden oder Aussehen nach dem ausrichten, was andere Leute vorgeben. Ich selbst war wie bereits erwähnt viele Jahre innerlich zerrissen, auch im Licht der Öffentlichkeit, was vielleicht doppelt so schwer war. Ich bin in meinem Leben noch nicht angekommen, aber ich fühle mich im Moment gut und weiß, dass noch viele schöne Dinge vor mir liegen.
Welche Vorstellung können Sie mit Gott verbinden?
Ich glaube, er ist gerecht, wenn auch nicht in jedem Sinne. Es gibt Dinge, die ich hinterfrage: Warum müssen in einem Krieg so viele tausend Menschen sterben, warum greift Gott nicht ein? Andererseits lässt er uns vielleicht Negatives erfahren, zum Zeichen dafür, auf dem Holzweg zu sein und um anders zu handeln, als man gerade handelt, womit man sich im Grunde selbst ein Bein stellt. Von Gott kann man viel lernen.
Negatives erkennen zu können ist auch ein Teil des Schicksals.
Ja, sicher. Es ist sehr wichtig, dass man nicht einfach ablädt, um sich hinterher besser zu fühlen. Bei dieser ganzen Gottesgeschichte gefällt es mir überhaupt nicht, dass Leute, die Böses getan haben, hinterher ihre Sünden loswerden möchten, und dann ist alles wieder chic. Das finde ich nicht in Ordnung.
Können Sie zu dem Gott beten?
Ich bete nicht oft. Gott und ich - wir haben ein eigenes Verhältnis zueinander.
Was bedeutet die Person Jesus für Sie?
Ich kann mir das nicht so richtig vorstellen. Also ich glaube daran, dass es einen Gott gibt. Einige Teile der Bibel habe ich gelesen und mich damit beschäftigt. Für mich birgt sie allerdings viele Ungereimtheiten in sich.
Hatten Sie in Ihrer Kindheit überhaupt Zeit, sich mit der Bibel oder mit Religion zu beschäftigen?
Ich kam aus dem Osten, wo es nicht sehr in Mode war, sich damit zu beschäftigen. Ich hatte aber einen Urgroßvater, der sehr gläubig war.
Spielte Religion in der Schule eine Rolle?
In der damaligen DDR hatten wir keinen Religionsunterricht. Ich bin durch meinen Urgroßvater damit in Kontakt gekommen. So kann ich mich jetzt rantasten. Es ist meine eigene Entscheidung. Das finde ich besser, als in einen stabilen und konservativen christlichen Glauben hineingeboren zu sein. Jetzt liegt die Entscheidung bei mir. Nicht meine Mutter, nicht mein Vater und auch nicht meine Oma treiben oder verpflichten mich dazu. Die Entscheidung liegt einzig bei mir.
Würden Sie Ihre Kinder christlich erziehen? Wäre Ihnen das wichtig?
Es gibt ein paar Grundsätze, die finde ich nicht verkehrt. Die würde ich meinen Kindern sicherlich mit auf den Weg geben. Zum Beispiel immer auch einen Blick auf seinen Nächsten zu haben. Heutzutage verhält es sich so, dass jeder auf sein eigenes Wohl bedacht ist, besonders in der Geschäftswelt. Gerade da sollte man ein bisschen mehr Nächstenliebe an den Tag legen. Solches würde ich weitergeben. Aber ich würde es bei meinen Kindern wahrscheinlich so halten, wie auch ich erzogen worden bin. Wenn es sie interessiert, dann werden sie die Möglichkeit haben, sich selbst zu entscheiden und können den Glauben annehmen oder nicht.
Wovor haben Sie Angst?
Vor nichts, vor gar nichts! Manchmal bin ich über mich selbst erschüttert.
Haben Sie Angst vor dem Tod?
Nein, auch nicht.
Können Sie sich ein Leben nach dem Tod vorstellen?
Das kann ich mir nur schwer vorstellen. Aber ich kann mir vorstellen, seelisch mit den Menschen, die ich liebe in Verbindung zu sein, und das stelle ich mir nicht schlimm vor.
Wenn Sie sich Ihr Leben in 20 Jahren vorstellen, was sehen Sie dann?
Oh, daran habe ich noch gar nicht gedacht. Das ist zu weit weg. Bis in 20 Jahren wäre es nicht verkehrt, eine Familie zu haben. Ich ja noch ein paar Jahre Zeit, in denen ich sehen kann, wie ich selber oder wie ich alleine durchs Leben komme, aber in 20 Jahren hätte ich gerne eine Familie.
Wenn Sie einmal einen einzigen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Paolo Coelho, ein brasilianischer Schriftsteller, schreibt sehr gute Bücher. Und ich liebe seine Bücher und habe sie alle gelesen und auch eine Widmung von ihm erhalten. Mein Wunsch wäre, ein paar Takte mit ihm zu reden, mich mit ihm zu unterhalten. Vielleicht dazu noch an der Caba Cabana, am Strand. Das ist ein ganz eigennütziger und egoistischer Wunsch, den ich gerne mal äußere. Vor allem klingt er machbar. Ich liebe Wünsche, die machbar sind.
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| Franziska van Almsick |
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| ... im Gespräch |
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| ... mit Hanno Gerwin. |
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