Gerwin TRIFFT Tony Henry,

Tony Henry,
Opernsänger und Performer

Die englische Zeitung "Mail on Sunday" hat ihn als Englands Antwort auf Pavarotti bezeichnet. Tony Henry ist ein sehr vielfältiger Opernsänger und Tänzer. Klassisch ausgebildet an der "Academy of Live and Recorded Arts" spielte er in berühmten Musicals genauso mit wie bei Konzerten in der Royal Albert Hall und der Night of the Proms. Er sang sogar zum Geburtstag von Prinz Edward im Buckingham Palace. Das Besondere an Tony Henry ist seine Fähigkeit, die Menschen mitzureißen, wie man es sonst nur bei Popkonzerten erlebt. Auf seiner neuesten CD „Modern classics“ interpretiert er berühmte Stücke wie "Sailing", "Let it be" oder "Amazing Grace".

Wann haben Sie Ihr Talent zum Singen entdeckt?
Das ist eine gute Frage. Ich war auf der Schauspielschule und da sagte man mir, dass ich möglicherweise eine Stimme habe, die den Menschen gefällt. Eigentlich besuchte ich die Schauspielschule um Schauspieler zu werden. Das wiederum, weil ich vorher Stuntman war. Ich dachte mir, dass ich davon profitieren könnte, wenn ich als Schauspieler in der Lage bin, meine eigenen Stunts zu machen. Jedenfalls hatte ich nie geplant, Sänger zu werden. Es war der Stimmtrainer an der Schauspielakademie, der mir riet, darüber nachzudenken. Es liegt in meiner Natur alles Mögliche auszuprobieren und ich war sehr neugierig und so lief das Schritt für Schritt.

Sie haben hart arbeiten müssen, um diese Ausbildung auch hinzubekommen?
Das war nicht einfach. Ich möchte nicht, dass jemand auf die Idee kommt zu glauben, dass das einfach war. Ich will hier nicht um Mitleid heischen. Ich hatte eine klare Wahl und als ich zu singen begann und sich meine Stimme entwickelte, merkte ich schnell, wie die Menschen darauf reagierten. Um ehrlich zu sein, als ich Opernsänger wurde, verstand ich zum ersten Mal den Begriff Armut.
Aber wie jede Kunstform, um die man ringen muss, war es das Beste, was ich hätte tun können. Ich bin ein regelrechter Anwalt für jeden, der kämpfen muss, um Erfolg zu haben, denn am Ende weiß man das mehr zu schätzen, was man in dieser Zeit erreicht hat. Das ist für mich das Positive.

Die englische Zeitung "Mail on Sunday" hat geschrieben, dass Sie Englands Antwort auf Pavarotti seien?
In einem Atemzug mit einer Ikone wie Luciano Pavarotti genannt zu werden ist ein großes Kompliment und eine große Ehre. Ich bin mir bewusst, was das bedeutet. Letztlich muss ich mich jedes Mal, wenn ich den Mund aufmache, um zu singen, auf´s Neue beweisen. Das ist immer etwas, nachdem man strebt.

Sie sind auch ein großer Entertainer, aber oft sind Opernsänger ja eher sehr ernste und ruhige Künstler?
Was man dabei bedenken muss, ist, dass ein anständiger Opernsänger sehr viel Zeit investieren muss, um als der gute Künstler akzeptiert zu werden, der er sein möchte. Aber in dem Bereich, in dem ich bin, ist auch die Tatsache entscheidend, nicht allzu stolz und steif dazustehen. Das ist keine Kritik, aber wenn die Leute kommen, um mich und meine Show zu sehen und ich dann für - sagen wir - anderthalb Stunden nur still stehe und nicht viel tue, dann ist das für das Publikum langweilig. Deshalb versuche ich mein Publikum so viel wie möglich einzubeziehen, denn letztlich ist es doch auch die schönste Anerkennung, dass die Leute kommen, um mich zu sehen. Deshalb versuche ich sie so gut wie möglich zu unterhalten und ihnen das Beste für ihr Geld zu bieten. Wenn ich das nicht tun würde, hätte ich das Gefühl, dass Sie dann auch genauso gut zu Hause bleiben und die CD hören könnten.

Sie kommunizieren sehr stark mit Ihrem Publikum und man hat auch das Gefühl Sie mögen Ihr Publikum. Sind Menschen für Sie wichtig?
Ja, sehr wichtig. Ich denke, dass es wichtig ist, den Menschen das Gefühl zu geben, dass sie meine Show ganz unbeschwert genießen können. Das ist besonders bei Menschen wichtig, die zum ersten Mal im Publikum sind. Die Oper wirkt ja oft zu abgehoben und das möchte ich vermeiden. Ich möchte dem Publikum die Möglichkeit geben, sich zu amüsieren. Deshalb versuche ich ein bisschen Spaß und Leichtigkeit hineinzubringen und so die Menschen für die klassische Musik zu gewinnen. Zugegeben, meine Art zu singen ist sehr unorthodox, aber es bietet eine gute Möglichkeit, sich später an ernstere Formen von klassischer Musik heranzuwagen. Ich will ein bisschen Spaß hineinbringen. Wenn ich es genieße, wird es das Publikum auch genießen.

Das ist eine gute Gelegenheit nach Ihrer Einstellung zur Religion zu fragen.
Religion ist ein ganz wichtiger Teil meines Lebens. In den ersten 17 Jahres meines Lebens kannte ich nicht viel anderes, als zur Kirche zu gehen. Ich habe einen sehr starken christlichen Hintergrund und bin durch das Gospel singen zum ersten Mal mit Musik in Berührung gekommen. Damals habe ich allerdings überhaupt nicht daran gedacht, dass ich mein Geld mit singen verdienen würde. Als ich mich dann für die künstlerische Laufbahn entschied – ich war zunächst Tänzer – da versuchte meine Mutter alles, um das zu verhindern. Denn sie war sehr religiös und sah mich schon auf dem Weg zu Chaos und Verdammnis. Meine Mutter hat mir eine sehr starke religiöse Grundlage mitgegeben, die mich bis zum heutigen Tag beeinflusst. Die Religion zeigt einen positiven Weg auf, wie man sein Leben führen sollte. Die Bibel ist für mich eine Richtschnur, wie man sein Leben führen sollte. Die Regeln sind hart, aber ich denke, dass es Grauzonen gibt, wo man Zugeständnisse machen muss. Aber solche Sachen kommen auch mit den Erfahrungen, die man im Leben macht, und schließlich haben wir ja alle hin und wieder mit Schwierigkeiten und Frustrationen zu kämpfen. In solchen Zeiten wende ich mich der Bibel zu und suche dort nach Führung und einem Weg, mir selbst so zu helfen, dass ich auch anderen helfen kann. Das ist für mich persönlich eine sehr gute Sache.

Man merkt Ihrer Musik an, dass Sie Mut machen wollen. Die Gospelmusik ist ja eigentlich auch zum Mut machen und fast wie ein Gebet.
Ja, gar keine Frage. Gospel singen bedeutet von Herzen singen, und das tue ich auch, wenn ich klassisch singe. Puristen werden verstehen, was ich sage. Ich dehne die Regeln ein bisschen, summe ein bisschen mehr als früher. Aber das gibt mir auch die Freiheit emotionaler zu sein, was nicht notwendigerweise erlaubt ist, wenn man in einem mehr klassischen Stil singt. Für mich geht es darum, mit vollem Herzen zu singen, und darum geht es auch bei guter Gospelmusik. Wenn jemand mit ganzer Seele von der Pein singt, die ein anderer erfahren hat, dann kann das Publikum nur gerührt sein. In der Musik geht es um das Leben. Sie versucht einen auf gerader Linie zu halten, diszipliniert zu sein und alle Hindernisse zu akzeptieren. Und das kann nur gut sein.

Tony Henry
Tony Henry
... im Gespräch
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... mit Hanno Gerwin
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Tony Henry
geboren in St Albans in eine von den Westindies stammende Familie, verließ Tony Henry schon mit 16 Jahren die Schule und ging nach London. Seine Ausbildung zum Tänzer an der Rambert School of Ballet finanzierte er mit Gelegenheitsjobs. Danach hatte er Engagements bei verschiedenen Musicalproduktionen, u. a. trat er in "Miss Saigon", "Starlight Express" und "Children of Eden" auf. Nach der Stimmausbildung an der Academy of Live and Recorded Arts wandte er sich dem klassischen Fach zu. Er debutierte in der Puccini-Oper "Il Tabarro" und hatte weitere Engagements unter anderem bei der European Chamber Opera. 2003 erschien sein erstes CD-Album "Modern Arias" (Warner). 2006 und 2007 begeisterte er als Entertainer bei der Nokia Night of the Proms. 2008 erschien sein Album "Modern Classics".